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Danial Ilkhanipour, MdHB,
05.08.2020

Wir in Stellingen Alltagsrassismus bekämpfen

Als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gehört der Kampf gegen Rechtsextremismus quasi zu unserer DNA. Es hat mich immer stolz gemacht, dass wir in dieser Frage stets klar und laut Position bezogen haben – bei allen Meinungsverschiedenheiten, die es in unserer Partei ab und an gibt.

Wenn wir hierunter allerdings „nur“ den Kampf gegen Nazis, die AfD oder institutionellen Rassismus verstehen, übersehen wir ein Problemfeld, dass meines Erachtens in seiner ganzen Dramatik viel zu häufig unterschätzt und in der Folge stillschweigend hingenommen wird.

Ich spreche von Alltagsrassismus. Es sind die vielen kleinen Nadelstiche im Alltag, die den Betroffenen – auch mir mitunter – immer wieder vor Augen führen „nicht dazu zugehören“.

Wir empfinden den jeweiligen Einzelfall zwar meist als bedauerlich – vernachlässigen ihn aber oftmals im Hinblick auf das Gesamtbild der anderen „politischen Baustellen“.

Dies ist jedoch falsch!

Tatsächlich haben Frauen und Männer mit Migrationsgeschichte, die mit Rassismus konfrontiert werden, ja seltener Berührungspunkte mit dem „aktiven Nazi“, sondern vielmehr mit dem Mitbürger, von dem sie wenige Sekunde vorher keine Gefahr ausgehen sahen, und von dem sie jetzt Ablehnung erfahren.

Diese ständigen Nadelstiche verändern einen Menschen. Aber auch die weitreichenden Folgen werden häufig unterschätzt. Denn von unserer Gesellschaft, auch von den konservativen und gar rechten Kräften, wird gerne das Narrativ aufgestellt, dass man dazugehöre, wenn man sich denn integrieren würde, die Sprache lerne, sich an den hiesigen Wertekanon und an die Gesetze halte.

Spätestens in der zweiten Generation von EinwanderInnen ist dies aber häufig der Fall. So sprechen diese meist besser Deutsch als die Sprache Ihrer Eltern, sind HSV-Fans und gut ausgebildet. Stoßen diese nun im Alltag aufgrund ihres Namens oder Aussehens an die gläserne Decke, beispielsweise bei der Wohnungs- und Jobsuche, so sind die die langfristigen Folgen dramatisch. Bleiben solche Erfahrungen nicht die Ausnahme, sondern werden zur Regel, sind sie Gift für unsere Gesellschaft.

Über zwei solcher Beispiele, zu denen ich auch Stellung bezogen habe, hat in den vergangen Wochen die Hamburger Morgenpost berichtet.

Zum einen wurde einer minderjährigen Schülerin, die sich in einer Edeka-Filiale für einen Aushilfsjob beworben hatte, vom Geschäftsführer ins Gesicht gesagt, dass Sie vorher „das Ding“ (ihr Kopftuch) abzulegen hätte. (Edeka hat inzwischen reagiert)

Zum anderen wurde (mal wieder) einem Pärchen mit Migrationsgeschichte die Anmeldung bei dem Fitnessstudio „Benefit“ (Eidelstedt) erschwert. Das Fitnessstudio fällt diesbezüglich immer wieder negativ auf.

Vorfälle dieser Art finden nunmehr immer häufiger Ihren Weg in die Öffentlichkeit. Dies liegt nicht nur daran, dass durch die „Black Lives Matter“ Bewegung ein gewisser medialer Fokus darauf gerichtet ist. Vielmehr wurde durch AfD und Co. in den vergangen Jahren ein Klima geschaffen, in dem rassistische Ressentiments immer offener ausgesprochen werden!

Zugleich werden die Betroffenen immer selbstbewusster, wollen „das nicht mehr mit sich machen lassen“ und geben kontra. Hinzu kommt, dass durch Social Media nun auch die Möglichkeit besteht, die alltäglichen Vorfälle öffentlich zu machen. Die letzten beiden Punkte sind natürlich begrüßenswert.

Das zeigt auch ein weiterer Vorfall der vergangen Tage in einer Haspa Filiale: Ein junger Kunde mit Migrationsgeschichte wurde von einer anderen Kundin wüst beschimpft. Nur wenige Stunden, nachdem über den Vorfall in den sozialen Medien zu lesen war, reagierte die Haspa – durch den Druck und der Solidarität der Nutzer – und beendete die Geschäftsbeziehung zu der Kundin.

Genau an diesem Punkt müssen wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Alltag ansetzen. Denn gerade hier hat jeder Einzelne von uns einen großen Wirkungskreis – und eben nicht nur auf Parteitagen.

Wir dürfen der alltäglichen Intoleranz keinen Spielraum lassen sich auszubreiten und müssen den Betroffen zeigen, dass sie nicht alleine stehen. Nur so können wir verhindern, dass wir bald so miteinander umgehen, wie es bei Facebook etc. heute leider oft Realität ist . Und wir bewahren stattdessen das weltoffene Hamburg, in dem wir gemeinsam gerne leben.